Windows oder MacOS

Was ist besser – Windows oder MacOS?

In aller Regel kann man zunächst folgendes festhalten: Die Frage ist schlicht falsch gestellt.

Denn es geht meistens (!) nicht um schlechter oder besser, sondern um Gewohnheiten.

Wenn der gute, alte Buchhalter, der seit bald 20 Jahren im Keller sitzt und mit seinem 10-Finger-System und seinem grauen PC mit MS-Office, Excel, Navision oder sonst was arbeitet und damit zurande kommt über Nacht von der Geschäftsleitung einen überaus hübschen iMac spendiert bekommt, dann beißt der nach spätestens sieben Minuten in die Tastatur und wünscht das verdammte Drecksteil zu Teufel. Er kann auf der Tastatur nicht mehr flott tippen und findet seine Menüpunkte nirgends mehr. Von der fehlenden Taskleiste und der nicht vorhandenen Fensterverwaltung mal ganz zu schweigen.
Genauso – nur andersherum, der gute, alte Graphiker. Der sitzt seit Jahren vor seinem Mac und wünscht sich auch nichts anderes. Er macht sowieso nur ein oder zwei Fenster auf und fühlt sich einfach supergeil als Mahäaac-User. Denn damit ist er ja voll der Pro und auch was Besonderes. Stellst du dem über Nacht ein technisch weitaus besser ausgestattetes MS-Surface hin, dann fährt der das anderntags noch nicht einmal hoch, sondern klatscht es kommentarlos an die Wand und reicht umgehend die Kündigung ein.

Das ist beides einfach nur der Gewohnheit geschuldet. Und hat nichts mit der dahinterliegenden Technik zu tun.

Der entscheidende Punkt aber folgt jetzt. Beide werden versuchen, ihre Vorlieben zu verteidigen und eben Rationalisierungsstrategien anwenden.

Da ist der Windows-Benutzer im Nachteil. Er kann nur sagen, daß sein System Industrie-Standard (zumindest in Deutschland) ist und er daher einfach nur den allgemeinen Vorgaben folgt. Und bislang tat es das ja auch. Warum also nicht auch künftig?
Was so falsch nicht ist, denn offenbar hat auch Apple das insoweit verstanden, daß es die MS-Office-Programme ja auch alle auf MacOs gibt. Natürlich nicht umsonst.

Apple-Benutzer hingegen meinen da gerne, daß sie einen Katalog an Vorteilen ausrollen könnten. Das aber ist nichts anderes als dümmliche Rationalisierung des überteuerten Kaufs.
Die Standard-Argumente sind:
(1) MacOS hat eine gute UNIX Konsole
(2) MacOS ist sicher vor Viren.
(3) MacOS ist stabiler als Windows.

Das Problem an diesen Argumenten ist, daß sie nicht für MacOS sprechen.
Wenn man diese Argumente ernst nehmen würde, dann müßte man sich für Linux entscheiden.

Denn:
(1) Wenn man eine gute – und vor allem freie und unkontrollierte – Konsole wünscht: Warum sollte man sich überteuerte Hard- und Software zulegen, wenn es doch so einfach anders geht? Linux! Die MacOS-Konsole ist gegenüber der Linux-Konsole ohnehin ein eher schlechter Witz. Wenn es also wirklich darum geht: Dann kann die Entscheidung eigentlich nicht für MacOS ausfallen. Warum einen teuren Marketing-Gag nehmen, wenn es das Original für lau gibt?
(2) Sicherheit vor Viren bei MacOS war mal. Da Apple MacOS und iOS immer mehr angleicht (man sehe sich mal BigSur an!) ist das so einfach nicht mehr korrekt. Microsoft ist das Ziel von Angriffen, weil es sich lohnt – denn MS ist eine sehr weitverbreitete Monokultur. Wie iOS. Oder halt auch MacOS. Auch hier gilt: Sollte das Argument wirklich ernst gemeint sein, spricht es nicht für MacOS, sondern für Linux.
(3) MacOS ist in der Tat stabiler als Windows. Aber erstens gilt auch hier wieder: Dasselbe gilt für Linux! Und zweitens fordert diese Stabilität einen Preis: Widerlichen Paternalismus.

Letzteres ist ein Punkt, der mich persönlich ganz besonders abstößt. Selbst wenn ich in den einschlägigen Foren nach Alternativen oder Lösungen gesucht habe, kam einfach allzu oft die Antwort: Was willst du denn? So ist es nun einmal bei Apple und deshalb ist es auch gut! Wenn es dir nicht paßt, kauf‘ dir eben keinen!
Diesen Ratschlag werde ich beherzigen.

Noch ein Wort zum Design. Niemand wird bestreiten, daß Apple da definitiv die Maßstäbe setzt. Die Geräte sehen sexy aus. Aber auch dies hat seinen Preis. Wer viel auf der superdünnen (und entsprechend brettharten) MacBook-Tastatur schreibt, weiß, wovon ich spreche. Und man versuche doch mal ein etwas älteres Peripheriegerät (Maus, Drucker, Scanner) anzuschließen! Erstens wird man einen Adapter benötigen – was beim Apple-Original-Zubehör natürlich nicht eben günstig kommt – und zweitens muß man sich unter Umständen sogar noch extra Software im iStore (bei dem man übrigens im Gegensatz zur Linux-Paketverwaltung eine Menge persönliche Daten angeben muß) kaufen, damit man auch die alten und angeblich unsicheren 32bit-Geräte am tollen, neuen MacBook betreiben kann.

Es ist – unterm Strich – wie wenn ein Berufspendler sich ein Auto kaufen möchte um damit die täglichen 32 Kilometer zu bewältigen. Wer nicht auf dicke Hose machen muß, kauft sich einen sparsamen, umweltfreundlichen Kleinwagen um seine 57 Kilo Humanmasse durch die Landschaft zu bewegen. Man könnte aber natürlich auch gesteigerte Wert auf Image und sexy und shiny legen: Ein kleiner Porsche Boxter sollte es dann schon sein.
Nun bitte: Es ist ein freies Land. Man kaufe sich dann eben das, was die gefühlten Bedürfnisse am besten zu befriedigen scheint.
Aber man erspare mir dann die pseudo-rationale Litanei. Der Porsche mag ja technisch besser sein als ein Kleinwagen – aber niemand kann mir ernsthaft erzählen, daß er notwendig sei. Von den Folgekosten und vollkommener Unmöglichkeit eigener Reparaturen oder Erweiterungen einmal ganz abgesehen.

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